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Chávez' Vermächtnis

Zum Tod eines lateinamerikanischen Politikers

Betrand Russell schrieb einst über den amerikanischen Revolutionär Thomas Paine: „Er hatte Fehler, wie andere Männer auch; doch es waren seine Tugenden, für die er gehasst und erfolgreich verleumdet wurde.“ Das trifft sicherlich auch auf Hugo Chávez Frias zu, schreibt Mark Weisbrot.

Hugo Chávez wurde wahrscheinlich mehr dämonisiert als jeder andere demokratisch gewählte Präsident in der Weltgeschichte. Doch wurde er wiederholt mit haushoher Mehrheit wiedergewählt. Nicht nur die Venezuelaner werden trauern, sondern viele Lateinamerikaner, die schätzten, was er für die Region getan hat.

 

Chávez überlebte einen von Washington unterstützten Militärputsch und Ölstreiks, die die Wirtschaft lähmten, aber nachdem seine Regierung die Kontrolle über die Ölindustrie gewonnen hatte, reduzierte sie die Armut um die Hälfte und die extreme Armut um 70%. Millionen Menschen erhielten zum ersten Mal Zugang zu Gesundheitsversorgung, und auch der Zugang zum Bildungswesen stieg stark an – mit sich verdoppelnden Einschulungsraten und freier Ausbildung für viele. Die Versorgung mit öffentlicher Altersversorgung verdreifachte sich. Er hat sein Wahlversprechen gehalten und den Ölreichtum des Landes mit der Mehrheit geteilt. All dies wird Teil seines Vermächtnisses sein.


Lateinamerikanische Stimmen zum Tod von Hugo Chávez:

"Heute starb ein großer Lateinamerikaner… Bei vielen Gelegenheiten war die brasilianische Regierung nicht voll einer Meinung mit Präsident Hugo Chávez. Doch heute erkennen wir ihn - wie immer schon - als großen Führer an, dessen Tod ein unwiederbringlicher Verlust ist und der vor allem anderen ein Freund Brasiliens war."
Dilma Rousseff, Präsidentin Brasiliens

"Mich stimmte die Nachricht vom Tode von Präsident Hugo Chávez tief traurig. Ich bin stolz darauf, mit ihm für die Integration Lateinamerikas und für eine bessere Welt gearbeitet zu haben. Meine Solidarität gilt an diesem traurigen Tag dem lateinamerikanischen Volk, Chávez' Familie und seinen Anhängern. Doch bin ich zuversichtlich, dass sein Beispiel der Liebe zu seinem Vaterland und seine Verbundenheit mit der Sache der Armen die Zukunft Venezuelas auch künftig erleuchten wird."
Luiz Inacio Lula da Silva, ehemaliger Präsident Brasiliens

"Dieser Prozess der Befreiung muss weitergehen, nicht nur für das venezuelanische Volk, sondern für alle Menschen Lateinamerikas."
Evo Morales, Präsident Boliviens

"Als die Krise 2001 150 Jahre des politischen Aufbaus gefährdete, war er einer der wenigen, die uns die Hand reichten."
Anibal Fernandez, ehemalige Kabinettchef der argentinischen Regierung

"Ecuador solidarisiert sich angesichts dieses unermesslichen Verlustes für Venezuela und ganz Lateinamerika."
Rafael Correa, Präsident Ecuadors



Teil seines Vermächtnisses wird ebenfalls die zweite Unabhängigkeit Lateinamerikas und vor allem Südamerikas sein, das inzwischen unabhängiger von den Vereinigten Staaten als Europa ist. Natürlich wäre dies nicht geschehen ohne Chávez' enge Freunde und Verbündete: Lula in Brasilien, die Kirchners in Argentinien, Evo Morales in Bolivien, Rafael Correa in Ecuador und andere. Aber Chávez war der erste demokratisch gewählte linke Präsident in den vergangegen 15 Jahren, und er spielte eine wichtige Rolle: Nehmt zur Kenntnis, was diese Kollegen über ihn sagen, und Ihr findet mehr als in den meisten der anderen Nachrufe, Pseudonachrufe und Kommentare. Diese linken Regierungen haben ebenfalls bemerkenswerte Fortschritte bei der Reduzierung der Armut, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Anhebung des Lebensstandards insgesamt gemacht – und ihre Regierungen wurden ebenfalls durch die Bank wiedergewählt.

Gemeinsam mit diesen anderen demokratischen Politikern wird Chávez als Teil einer kontinentweiten Revolte an der Wahlurne betrachtet, die Lateinamerika transformiert und die Chancen der politischen Partizipation für viele ehemals ausgeschlossene Mehrheiten und Minderheiten erhöht hat.

Auf den Tod von Chávez folgt höchstwahrscheinlich Kontinuität, da seine Partei mehr als sieben Millionen Mitglieder und bei den Lokalwahlen im letzten Dezember (wo sie 20 von 23 Staaten gewonnen hat) ihre Fähigkeit demonstriert hat, Wahlen auch ohne ihn zu gewinnen. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten dürften sich nicht verbessern; das State Department und Obama selbst haben während der letzten Monate der Krankheit von Chávez eine Reihe feindlicher Erklärungen abgegeben, die zeigen, dass es unerheblich ist, was die nächste Regierung (wahrscheinlich unter Nicolas Maduro) tun wird: Auf der Seite Washingtons gibt es nicht viel Interesse, die Beziehungen zu verbessern.

Mark Weisbrot ist Ko-Direktor des Center for Economic Policy Research (CEPR) in Washington DC.

Veröffentlicht: 6. März 2013

Empfohlene Zitierweise:
Mark Weisbrot, Chávez' Vermächtnis. Zum Tod eines lateinamerikanischen Politikers, in: Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung (W&E), Luxemburg, 6.3.2012 (www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org)

Weitere Beiträge zum Stichwort Chávez finden Sie >>> hier.


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